Archiv für Juni 2012

Versuch, das Vorkaufsrecht zu umgehen?

Eine Reihe Mieterinnen und Mieter haben die Mitteilung über Verkauf der Wohnung samt Belehrung über das Vorkaufsrecht erhalten. Dabei war auffallend, dass zwischen Beurkundung des Verkaufs und Zustellung des Vertrags fast drei Monate liegen. Vielleicht ist das erklärlich. Aus der Mittenwalder Str. 47 erreicht uns eine E-Mail:

„XXXXX schrieb, die Mieter in der Wildenbruchstr. würden auf das Vorkaufsrecht aufmerksam gemacht – offenbar ist das erst passiert, nachdem eine Mietpartei in der Mittenwalder vor einigen Tagen darauf aufmerksam gemacht hat, dass ja das Vorkaufsrecht gilt; für Ihre Wohnung wurde nämlich bereits ein Gebot abgegeben und ein Vorvertrag geschlossen. Von sich aus hatten die SAC oder die Eigentümerin aber nicht darauf aufmerksam gemacht.
Erst nach einem sehr deutlichen Brief von YYYYY hat Liat Tal reagiert. …“

Einen herzlichen Gruß von der Wilden Weser in den Mittenwald!

Vielleicht hat das ja Methode. Vielleicht ist ja „vergessen“ worden, die Käufer in Israel auf das Vorkaufsrecht hinzuweisen, und Frau Tal samt Umfeld wollen gar nicht, dass sich dort herumspricht, dass Kaufvertrag mit ihr und Zahlung noch längst nicht zu einer Berliner Wohnung führen.
Vielleicht sind das natürlich auch nur Zufälligkeiten. Wer kann’s schon wissen?
Und eine Frage für Juristen: Falls die Vorab-Mitteilung über den Verkauf vorsätzlich unterbleibt (bei Immobilienprofis kann man nicht ernsthaft davon ausgehen, dass sie es nicht besser wissen) und die neuen Eigentümer ins Grundbuch eingetragen sind, sind sie trotz der unterlassenen Mitteilung rechtswirksam Eigentümer und die Mieter um ihr Vorkaufsrecht gebracht. Ist das eigentlich strafrechtlich relevant? Als Betrug oder so?

Unser Hof als Terrasse im Erdgeschoss

Zum Verkauf steht jetzt auch die früher zeitweise als Bordell und später als Lager genutzte Wohnung (nicht die Zigarre, die früher ein offener Puff war) im Erdgeschoss links in der Weserstraße. Der Makler preist u. a.
- „mit einzeln begehbaren Zimmern“ (schon toll, dass man nicht nur zu zweit oder dritt hinein darf)
- „1 Zimmer besitzt einen Austritt zum ruhigen und begrünten Innenhof welcher individuell als Terrasse gestaltet werden kann“ (wollen wir mal sehen, wie ein Wohnungseigentümer den Innenhof als individuelle Terrasse gestaltet und nutzt, gemeint ist wohl der dunkle Streifen zwischen Mauer und Mülltonnen; oder ist mit „Austritt zum Hof“ gemeint, dass es in der Wohnung keine Toilette gibt?)
- Telefonanschluss (wow, neueste Errungenschaften von Wissenschaft und Technik!)
- „Objekt besitzt einen Lift“ (wichtig für Interessenten im Erdgeschoss)
- „in weniger als 1km ist der Treptower Park wie auch der Park Hasenheide erreichbar“ (beides glatt gelogen)
- „in wenigen Metern ist ebenfalls die Weserstrasse und Sonnenallee gelegen welche keine Wünsche einer Stadt offen lässt“ (die Weserstraße in der Nähe der Weserstr. 59, das ist mal wahr)
Und die Wilde Weser ist nicht für die gefühlten 3 Millionen Schreibfehler verantwortlich. Als Preis für die EG-Wohnung sind 1800 €/m² veranschlagt. Ganz schön üppig – der Kaufpreis für alle Gewerbe- und Wohneinheiten im Haus war etwa 578 €/m².